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Magazin 02/17 Reisen

GARDASEE – GARGNANO

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Fotografie: Christine Zenz
Text: Ursula Egli

Im kleinen, beschaulichen Gargnano scheint die Zeit seit dem Ende des 19. Jahrhunderts stehen geblieben zu sein. Im ehemaligen Fischerdorf mit dem verwinkelten Ortskern und dem pittoresken Hafen weist einzig der moderne Marmorbrunnen, aus dem natürliches, kaltes und sogar kohlensäurehaltiges Wasser aus den drei Hähnen fliesst, darauf hin, dass wir uns in der Neuzeit befinden. Gargnano befindet sich ungefähr in der Mitte des westlichen Ufers des Gardasees. Hier führt die Uferstrasse Gardesana Occidentale von Riva del Garda im Norden bis nach Desenzano am südlichen Zipfel vorbei. Die Gardesana Occidentale ist ein wahres Meisterwerk, allein zwischen Riva und Gargnano gibt es auf einer Strecke von etwa 30 Kilometern 74 Tunnels, die nach dem Ende des Ersten Weltkriegs mühevoll in die steilen Hänge der umliegenden Berge geschlagen wurden. Mit dem Strassenbauprojekt wollte Italien die Region anbinden – früher war das südliche Seeufer von Riva aus nur über den See zu erreichen. Erstmals in der Geschichte erwähnt wurde Gargnano im Jahre 973, doch zu grösserer Bedeutung gelangte es erst Mitte des 13. Jahrhunderts, als die Franziskaner im Ort ein Kloster gründeten. Franz von Assisi selbst liess 1289 das Kloster und eine Kirche errichten. Die Franziskanermönche, die aus Ligurien an den Gardasee reisten, brachten Zitronenbäume mit und pflanzten sie in den Garten des Klosters. Vom Kloster ist heute nur noch der Kreuzgang erhalten geblieben, aber die Zitronen, die hier angepflanzt wurden, sollten das Aussehen und die Wirtschaft von Gargnano und dem ganzen umliegenden Küstenabschnitt massgebend prägen. Rasch sprach sich herum, dass es am Gardasee Zitronen gab und die Nachfrage stieg. Die Bauern begannen Zitronengärten, die sie Limonaie nannten, zu bauen und pflanzten Zypressen, um die Gärten vor den kühlen Fallwinden zu schützen. Schon bald reihte sich von Salò bis nach Limone Zitronengarten an Zitronengarten, die Riva dei Limoni war geboren. Der Zitrusfrüchte-Anbau erreichte seinen Höhepunkt in den Jahren 1850–1855, als sich in Gargnano etwa die Hälfte aller Zitronengewächshäuser konzentrierte. 20 Millionen Zitronen wurden damals nach Deutschland, Österreich und Osteuropa exportiert.

Von den einstmals 500 Limonaie sind heute leider nicht mehr viele übriggeblieben. Zu aufwendig und teuer war die Produktion und die günstigere Konkurrenz aus Süditalien zu gross. Eine der wenigen, wieder wachgeküssten Limonaie liegt in einem zauberhaften terrassierten Park in Gargnano. Der Besitzer des Anwesens gründete mit Gleichgesinnten die Kooperative Terre & Sapori d’alto Garda, die zum Ziel hat, die Kultur der Zitronengärten wieder aufleben zu lassen. Neben verschiedenen Zitrusfrüchten wie Zitronen, Limonen, Bitterorangen und Chinottis, gibt es im Park auch Olivenbäume, Kapernsträucher und Reben. Die geernteten Früchte werden zu köstlichen Konfitüren, fruchtigem Zitronenoder Orangenlikör, Olivenöl, Olivenpasten, eingelegten Kapern und sogar einem markanten Rotwein verarbeitet und im Laden der Kooperative, der am Hafen von Gargnano liegt, verkauft.

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