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Geschenkideen Magazin 02/17 Tipps & Adressen

VIA SALINA

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Fotografie: Peter Salzmann, Neuchâtel Touisme, Saline Royale
Text: Pia Kugler

Alles Salz musste importiert werden

Salz, das heute nicht gerade vor die Schweine, aber zumindest im Winter tonnenweise vor die Autos geworfen wird, war über Jahrhunderte ein kostbares Gut. Es ist für Mensch und Tier lebensnotwendig und wurde früher in jedem Haushalt in grossen Mengen auch zur Konservierung von Lebensmitteln gebraucht. Nicht alle Länder verfügten über eigene Vorkommen. Die alte Republik Bern beschaffte sich das begehrte Mineral bis ins 19. Jh. aus den Salinen in der Franche-Comté. Man scheute keinen Aufwand, um Salz zu gewinnen und zu transportieren. Der Handel florierte, man verdiente sich eine goldene Nase damit.

Unsere Reise beginnt in der Altstadt von Bern mit dem Besuch wichtiger «Salzorte» wie dem Ländtetor – hier haben kleine Schiffe die mühsam die Aare aufwärts gezogene Fracht ausgeladen – und der Berner Salzkammer, dem Verwaltungssitz des Salzhandels. Früher konnte jeder private Kaufmann Salzhandel betreiben, 1623 hat Bern das Salzmonopol verkündet, um sich das einträgliche Geschäft nicht länger entgehen zu lassen.

Mit dem Zug geht es nach Murten und weiter auf einer reizvollen Wanderung entlang des Murtensees und Broye-Kanals zum Neuenburgersee. Diese Wasserwege wurden früher bevorzugt zum Salztransport mit Barken genutzt; billiger als der Landweg. Per Schiff und Zug erreichten unsere Gruppe den ersten Etappenort Yverdon.

Karrengeleise mitten im Wald

Am nächsten Morgen steht die Vogelbeobachtung im Moor des Naturschutzgebietes Grande Cariçaie am Neuenburgersee an. Die Bahn bringt uns nach Vuiteboeuf, einem Dörfchen im Dornröschenschlaf. Über Jahrhunderte schallten die Stimmen der Fuhrknechte durch die Gassen und kontrollierten die Salzherren die kostbare Fracht.

Auf der Wanderung zwischen Vuiteboeuf und Ste-Croix entdecken wir mitten im Nirgendwo zentimetertiefe parallele Rillen im Fels, sogenannte Karrengeleise. Sie dienten den Rädern der Salzkarren als Führung um abschüssige Stellen zu sichern – eine authentische Begegnung mit der Geschichte des Salztransports.

Wir verbringen die Nacht auf dem Jurabalkon im Grand Hôtel des Rasses. Das Hotel mit atemberaubendem Panoramablick auf das Genferseebecken und die Alpen wurde um die Jahrhundertwende gebaut. Im Restaurant mit seinen Säulen, dem Parkett und den grossen Lüstern fühlt man sich direkt in die Belle Époque-Zeit zurückversetzt. Zur Entspannung gibt es ein beheiztes Schwimmbad, zur Stärkung ein Nachtessen mit frischen regionalen Produkten der Saison – wahrlich ein Genuss für alle Sinne.

Mechanische Perlen in der Jurakette

In der ersten Hälfte des 18. Jh. verhalf die Uhrmacherei dem Dörfchen Sainte-Croix zu grossem wirtschaftlichem Aufschwung. Dann die Krise in der Uhrenbranche – in die Bresche sprang die Präzisionsmechanik. 1814 wurde die erste Spieldosenfabrik gegründet. Im Musée Baud in L’Auberson bestaunen wir Prachtstücke von automatischen Pianos, Orchestrien und hochkomplexen Musikdosen. Die passionierten Kunsthandwerker, die diese Meisterstücke aus Holz und Metall herstellen, tragen hier den Übernamen «Traumfabrikanten».

Noch ganz im Rhythmus dieser Traumwelten, wandern wir über unendliche Weiden in die fantastische französische Juralandschaft. Überall erscheinen Spuren des Salzhandels: Lagerhäuser, Relais zum Auswechseln der Pferde, Tränkebrunnen für die Zugtiere, stolze Zollburgen wie jene in La Cluse-et-Mijoux. Wer mit Salz handelte, musste für jeden Kilometer neu das Wegrecht erkaufen.

Gegen Abend erreichen wir unser Logis in Cernans, ein wunderschön renovierter Bauernhof in typisch lokaler Architektur. In familiärer und herzlicher Ambiance werden wir von den Gastgebern mit einem köstlichen Essen verwöhnt.

Wo das Salz «ausgekocht» wurde

Von Cernans wandern wir zu einer Aussichtsplattform hoch über Salins-les-Bains. Und da liegen sie, die Kathedralen des Salzes. Im Stil damaliger Gotteshäuser haben Mönche im 13. Jh. diese Salzgewinnungsanlagen 30 Meter hoch – aber unterirdisch – gebaut. Pumpwerke holen bis heute Sole aus dem 246 Meter tiefen Bohrloch.

Die Sole wurde in 14 x 6 m grossen «Pfannen» gekocht, als Brennstoff diente Holz. Kaum vorstellbar, unter welch unmenschlichen Bedingungen die Arbeiter bis zu 13 Stunden pro Tag schufteten. Das ging so lange, bis die Wälder rundherum abgeholzt waren. Am Ende des 18. Jh. stand das Salzwerk von Salins vor dem Aus. Definitiv geschlossen wurde die Saline jedoch erst 1962, heute findet die geringe Menge an gepumpter Sole Verwendung im Thermalbad. Vor diesem geschichtliche hintergrund beenden wir unseren Wandertag entspannt im geheizten hoteleigenen
Salzwasserschwimmbad.

Auf zur französischen Industriegeschichte

Nun begehen wir den letzten Wanderabschnitt unserer Salzreise. Nördlich von Salins stossen wir auf die Ruinen eines Schlosses aus dem 13. Jh. Auf der felsigen Anhöhe, bietet sich eine fantastische Aussicht auf die Ebene von Port-Lesney und die weiten Flussschlingen der Loue. Abwechslungsreich durch Wälder und Rebberge wandernd, erreichen wir Arc-et-Senans. Die letzten Meter unserer Reise liegen vor uns. Eine schnurgerade Allee führt direkt in die Königliche Saline.

Nachdem es rund um Salins keine Wälder mehr gab, wurde hier im Auftrag von König Louis XV. eine neue Salzfabrik errichtet. Die Bezeichnung «Fabrik» passt nicht zu dieser grossartigen Architektur: zehn einzelne, monumentale Gebäude um einen halbkreisförmigen Hof mit einem Durchmesser von 225 Metern! In diesen riesigen Häusern wurde die Sole verarbeitet, sie musste von Salins in langen Holzröhren über eine Distanz von 22 Kilometer hierhergeleitet werden.

In der Königlichen Saline übernachten

Uns erwartet eine königliche Nacht in grandiosen Ambiente. Bei der Führung durch die Gebäulichkeiten wird klar, dass sie nicht allein der Salzverarbeitung dienten; hier lebte fast die gesamte Arbeitsgemeinschaft. Die Familien kochten und assen gemeinsam – eine Stadt der Zukunft, gebaut vom lange verkannten Genie und Visionär Claude-Nicolas Ledoux. Er wollte mit seiner Architektur die Welt verändern und verbessern. Geblieben von den hehren Ideen sind Skizzen, die Ledoux nach der Französischen Revolution im Gefängnis entwarf. In der  Zusatzausstellung können wir seine verrückten architektonischen Ideen an weissen Modellen bewundern.

Rentabel war die Königliche Saline nie, 1895 wurde sie geschlossen, die Region versank in der wirtschaftlichen Bedeutungslosigkeit. Doch die Gebäude sind erhalten, sie wurden restauriert und zusammen mit den benachbarten Salz-Kathedralen von Salins ins UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen.

Mit Zug und Bus reisen wir durch den Jura zurück zum anderen UNESCO-Weltkulturerbe – unserem Ausgangsort Bern. Die nächste geführte Via Salina auf: www.alpevents.ch.

alpevents.ch
Bergwandererlebnisse
Peter Salzmann
Fuelagasse 2, CH-3930 Visp
Tel. 0041 (0)79 680 14 67
p.salzmann@alpevents.ch
www.alpevents.ch
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