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Magazin 02/17 Tipps & Adressen

LIMONE SUL GARDA

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Fotografie: Christine Zenz
Text: Ursula Egli

Bis 1932 konnte Limone sul Garda nur über den Wasserweg erreicht werden, da die Küstenstrasse Gardesana Occidentale noch nicht gebaut war. Noch heute ist die eindrucksvollste Art nach Limone zu reisen, diejenige mit dem Schiff. Vom Wasser aus geniesst man eine wundervolle Gesamtansicht auf den charmanten terrassenförmig angesiedelten Ort. Das ehemalige Fischerdorf am Nordwestufer des Gardasees wird vom steilen Bergmassiv Dosso dei Róveri überragt, so dass die langgezogene Altstadt zwischen Wasser und Felsen eingeklemmt zu sein scheint. Schon von Weitem gut sichtbar sind am nördlichen Ortsrand die noch zahlreich vorhandenen charakteristischen eckigen Steinpfeiler der alten, heute nicht mehr genutzten, Zitronengewächshäuser. Oberhalb des Ortes schliessen sich weite Olivenhaine und Wälder mit Zedern, Lärchen und Steineichen an. Lange glaubte man, dass sich der Name Limone von den zahlreichen Zitronen ableitet, die hier bis Ende des 19. Jahrhunderts in wunderschönen, terrassenförmig angelegten Zitronengärten angepflanzt und in die nördlichen Nachbarländer exportiert wurden. Tatsächlich aber soll die Bezeichnung auf das lateinische Wort «Limes» für Grenzwall zurückgehen, da hier einst die Grenze zwischen der Republik Venedig und Österreich verlief. Diese Tatsache ist den Bewohnern von Limone allerdings herzlich egal, denn die Zitrone ist in Limone allgegenwärtig: Kacheln mit Zitronenmotiven dienen als Hausnummern, Fresken mit Zitronenbäumen als Motiv zieren die Hauswände, T-Shirts, Gläser, Vasen oder Handtücher, kaum ein Mitbringsel, das nicht mit der gelben Frucht verziert wäre. Vor lauter Besuchern und Zitronenkitsch übersieht man beinahe, wie hübsch der Ort mit seinen verträumten, engen Gassen und den Häusern aus Naturstein ist. Schnell entfliehen wir dem Rummel und steigen die steilen, gepflasterten Wege den Hang hinauf, wo wir das sehenswerte Museum «La Limonaia del Castèl» besuchen.

Der steile Aufstieg vom Hafen hinauf zur Limonaia del Castèl lohnt nur schon wegen der fantastischen Aussicht. Hier oben wurde in Andenken an die Zeit, als die sonnenverwöhnte Westküste des Gardasees einem einzigen Zitronengarten glich, eine ehemalige Plantage wieder bepflanzt. An die Felsen geschmiegt, auf sieben Terrassen und beschützt von grossen Balken, zwischen die im Winter Glasfenster gesetzt werden, wachsen heute wieder Zitronen, Süssund Bitterorangen, Bergamotten, Pampelmusen und Mandarinen. Ein Teil der ehemaligen Limonaia ist nun überdacht und dient als Museum. Hier erfährt man viel Wissenswertes über die Kunst des Anbaus. Anhand der Balken kann man sehen, dass die Bäume früher viel grösser waren, gut acht bis zehn Meter. Viermal im Jahr konnte geerntet werden, pro Baum um die 500 kg. Die Männer stiegen auf die Leitern. Die Frauen durften, weil sie Röcke trugen, nur auf die erste Stufe steigen. Sie nahmen die Früchte in Empfang und schlugen jede einzeln in weisses Seidenpapier ein. Üblicherweise waren zwölf Arbeiter täglich zwölf Stunden im Hain beschäftigt. Der Tageslohn war kläglich und wurde in Zitronen bezahlt.

Das Museum ist von April bis Oktober täglich von 10.00 bis
18.00 Uhr geöffnet.
La Limonaia del Castèl
Via Orti, 9, 25010 Limone Sul Garda BS, Italien
Tel. 0039 0365 954008
info@visitlimonesulgarda.com
www.visitlimonesulgarda.com/limonaia-castel
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