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Magazin 01/17 Reisen Tipps & Adressen

GRAUBÜNDEN – ALLEGRA E BAINVGNIEU A ZUOZ

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Fotografie: Christine Zenz
Text: Ursula Egli

Über einen Ort zu schreiben, der einem ans Herz gewachsen ist, und das schon seit meiner frühsten Kindheit, führt in Versuchung, die Begeisterung zusammen mit tausend Erinnerungen Purzelbäume schlagen zu lassen. Mir jedenfalls geht es so mit Zuoz, das mir zu einer zweiten Heimat geworden ist. Selbstverständlich hat sich das Ortsbild von Zuoz, das ziemlich genau in der Mitte des Engadins, des grössten und längsten besiedelten Alpentals in seiner Höhenlage, liegt, in den letzten 50 Jahren stark verändert und nicht alles, was hier entstanden ist, hat zur Attraktivität des Dorfes beigetragen. Der alte Dorfkern entspricht aber weitgehend demjenigen ab 1500, als Zuoz nach dem grossen Brand wiederaufgebaut wurde. Gebrannt hat der Ort übrigens nicht, weil ein unaufmerksamer Bürger sein Feuer nicht unter Kontrolle hatte, sondern weil im Juni 1499, während des Schwabenkriegs, 12 000 österreichische Soldaten von Livigno über den Chaschaunapass auf dem Anmarsch nach Zuoz waren. Die Zuozer schafften Lebensmittel und alles, was dem Feind hätte dienen können, weg, zündeten ihre Häuser an und flohen in die Berge. Die Österreicher traten daraufhin den Rückzug an. Im Zuoz meiner Kindheit gab es für Gäste vor allem Unterkünfte in Hotels und nur wenige Ferienwohnungen. Dafür gab es zwei Metzgereien, zwei Coiffeur-Salons, eine Drogerie, und Europas höchstgelegene Kaffeerösterei Badilatti befand sich noch mitten im Dorf und nicht in der neuentstandenen Gewerbezone unten am Inn. Aber damals waren einige der altehrwürdigen, palastähnlichen Häuser in einem schlechten Zustand oder zum Teil sogar vom Zerfall bedroht. Heute präsentiert sich Zuoz herausgeputzt wie noch nie und die moderne Kunst spielt eine wichtige Rolle im Kulturangebot des Dorfes, das über mehrere international angesehene Galerien verfügt. Der Besuch der Galerie Tschudi oder der Galerie Monica De Cardenas lohnt nur schon wegen der uralten, stilvoll renovierten Engadiner Häuser, in denen die Galerien untergebracht sind.

Zuoz ist ein typisches Engadinerdorf mit grossen und behäbigen Häusern, die  sich um Plätze scharen, Heimeligkeit und Geborgenheit ausstrahlen, aber auch Macht und Reichtum. Denn die reiche und mächtige Familie Planta hatte im Mittelalter Zuoz als Domizil gewählt. Die riesigen Plantahäuser, mit drei über die Dorfstrasse gespannten Mauerbögen verbunden, und der Plantaturm zeugen vom Reichtum der Sippe. Am ungewöhnlich schönen, leicht ansteigenden Dorfplatz steht der grosse Brunnen mit dem Bären, dem Wappentier der Familie Planta. Überall, wohin man schaut, kann man engadinische Verspieltheit entdecken. Ausdruck individueller Fantasie der Bauherren sind die Erker mit Schnitzwerk, schmiedeeiserne Fenstergitter, wahre Kunstwerke von Sulèrtüren und natürlich die mit Sgraffiti oder Ornamenten verzierten Hausfassaden. Die in herbstlichem Rot gehaltenen Bauten am Nordostrand von Zuoz fallen schon aus der Ferne auf. Die Gebäude gehören nicht zu einem Hotel oder Sanatorium aus alter Zeit, sondern zum international bekannten Lyceum Alpinum.

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