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Literatur Magazin 06/17

EINE WICHTIGE BOTSCHAFT

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Fotografie: Dave Brüllmann
Text: Barbara Pronnet

Der heilige Nikolaus verstaute die letzten Päckchen auf seinen Schlitten, zurrte das Seil fest und stieg auf seinen Kutschbock. Seine Rentiere waren gefüttert, gestriegelt und schnaubten mit freudiger Erwartung Dampfwolken in die eisige Nacht. «Seid ihr bereit, meine Freunde?», rief er laut, und die braven Tiere nickten. Sie kannten ihre Bestimmung und ihr Herr war ein guter Mann, der eine wunderbare Aufgabe hatte. Er machte die Menschen, besonders die Kinder, glücklich. Mit grossem Gebimmel sausten die Tiere über das blanke Eis und nahmen immer mehr Fahrt auf. Der Nikolaus blinzelte und plötzlich hoben sich die Tiere in den Himmel, gewannen immer mehr an Höhe und flogen im Galopp durch die Nacht. Die Sterne funkelten am Himmelszelt und als das Schlittengespann seine Flughöhe erreicht hatte, schwebte es lautlos und leicht wie Schneeflocken dahin.  Der Nikolaus war nach einiger Zeit etwas eingenickt. Er konnte seinen Tieren vertrauen, sie kannten den Weg. Plötzlich wurde das Gespann unruhig und der Nikolaus war sofort hellwach. Er sah gleich, warum seine treuen Gesellen Alarm schlugen. Weit unten im Eismeer trieb eine lose Eisplatte mit zwei kleinen Eisbären. Die Eisbärenmutter schwamm aufgeregt daneben her, sie wollte die Kleinen wieder Richtung Ufer treiben, war aber bereits zu erschöpft. Schnell zog der heilige Mann an den Zügeln und die Rentiere schwebten in einer schrägen Linkskurve hinunter zu der Familie im Wasser. Mit viel Gefühl dirigierte der Nikolaus sein Gespann und bald berührten die Hufe der Rentiere sanft die Wasseroberfläche und sie galoppierten vorsichtig los. Das Wasser bewegte sich in sachten Wellen und die Eisplatte mit den kleinen Eisbären trieb zum Ufer zurück.

Die Kleinen sprangen sofort auf sicheren Boden und warteten dort mit grossem Geschrei auf die Mama. Als diese sich müde aus dem Wasser zog, sprangen sie auf sie zu und erdrückten sie fast vor Freude. Der Nikolaus und seine Rentiere waren sehr froh, dass sie der kleinen Familie helfen konnten. «Ich danke dir von Herzen, du guter Gesell», sagte die Eisbärenmama ehrfürchtig. «Meine Kinder spielten und plötzlich brach das Eis und sie trieben fort. Es ging alles so schnell. Das Eis wird immer gefährlicher. Irgendetwas stimmt nicht. Es ist, als löse sich unser Lebensraum auf. Seit die Menschen uns jagen, beobachten und stören, passieren diese Dinge.» Der Nikolaus nickte traurig. «Ich weiss, es wird sich vieles für euch ändern. Ihr müsst vorsichtig sein und euch bereithalten. Wenn die Menschen ihr Verhalten nicht ändern, seid ihr in Gefahr. Ich bringe jedes Jahr eine Botschaft der Besinnung und bete für euch alle. Die Kinder der Menschen sind meine grösste Hoffnung, und wenn diese erkennen, um was es im Leben wirklich geht, dann habt auch ihr eine Chance.» «Dann wünsche ich dir, dass deine Eingebung in die Köpfe der Menschen dringt und wir alle wieder auf eine gute und sichere Zukunft hoffen dürfen. Leb wohl», sagte die Eisbärin mit traurigen Augen. Der Nikolaus winkte zum Abschied und schnell wie der Wind trieb er seine Tiere zurück in die dunkle Nacht. Jetzt war die Zeit gekommen und er musste sich beeilen. Er hoffte so sehr, die Kinder nicht nur mit Süssigkeiten zu erfreuen, sondern ihnen seine wichtigste Botschaft zu überbringen. Ihre Zukunft.

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