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Editorial Literatur Magazin 05/17

DIE KRAFT DES MONDES

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In einer dieser heissen Sommernächte habe ich am Abend in meinem Garten gesessen und zugeschaut, wie die schmale Sichel des Neumonds ganz langsam hinter dem Uetliberg aufstieg und sich zu seiner Reise durch die Nacht und über den See bereit machte. Er sah so zerbrechlich aus und ich war froh, dass kein Gewitter im Anzug war. Irgendetwas in mir bewegte mich, die schmale Sichel mit meinen Gedanken zu füllen. Da waren Sie plötzlich, die liebevollen Botschaften, die ich persönlich nicht überbringen kann, weil sich das Leben wandelt. Ich habe sie gesammelt und plötzlich war die Sichel gefüllt. Eine wunderbare Nacht. Ich bin mit dem Neumond auf seine Nachtreise gegangen und habe Sterne entdeckt, die in Augenblicken meines Lebens leuchteten, die ich gelebt, aber nicht ausgekostet habe, und Möglichkeiten gesehen, die wie Sternschnuppen an mir vorbeigeflogen sind. Die so fragil scheinende hauchdünne Mondsichel hatte an diesem Abend für Vieles Platz. Mehr als ein Vollmond es jemals haben könnte, weil er selbst so prall und so lichtstrotzend am Himmel prangt. Der Mond gleicht dem Leben, das besonders in stillen Augenblicken grossartig ist. So wie die Natur im Herbst ihre verborgenen Schätze erst zeigt, wenn die Früchte geerntet und wenn der Wind die Blüten davongetragen hat. Ich liebe den Herbst. Seine zarten Morgennebel, die den frühen Tag in Watte hüllen, die kühlen Winde, die nach eigenen Notenblättern ihre Musik spielen, aber auch die Stürme, die Vieles davontragen, um anderen Dingen Platz zu machen. Der Herbst hat wunderbare Optionen: Unterirdische Schätze, Weisse Trüffel, verbreiten ihre verführerischen Düfte und leuchtende Kürbisse liegen wie verlassene Lampions einer Sommerparty in abgeernteten Gärten. Die Blätter formieren sich zu einem schützenden Teppich, der so schön raschelt, wenn man ihn streift. In diesen Augenblicken erzählt der Herbst Geschichten, die man nur hören kann, wenn man einen Augenblick innehält, so wie ich an diesem Sommerabend bei meinem Rendezvous mit der Mondsichel, in dem ich mir ganz sicher war, dass Empathie zu den Menschen wichtig ist, um das Leben liebenswert zu machen.

Herzlichst
Ihr La Tavola-Team und

Marion Michels

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