
Béatrice van Strien
Weinfachfrau
aus Leidenschaft
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Liebe Leserinnen, Liebe Leser !
Der Wonnemonat Mai ist uns in diesem Jahr wettermässig einiges schuldig geblieben.
Die berüchtigten Eisheiligen waren nicht grauer, nicht nässer, aber zudem etwas
kühler als die ersten zehn Maitage. Regentropfen, die ans Fenster klopften, statt lauer
Frühlingsnächte begleitet von dem verführerischen Duft von Flieder
und Weissdorn. Nur wetterfeste und besonders ungeduldige Zeitgenossen führten
mutig und mit gelegentlichen Anzeichen von Hühnerhaut die neue Sommermode vor.
In meinem Kleiderschrank war Mitte Mai noch Winter und in meinem feierabendlichen Weinglas
schimmerte es weiterhin dunkelrot. Keine Spur von Aufbruchsstimmung, keine Lust auf
frischfruchtige kühle Roséweine.
Das einzig Rosafarbene, das jahrein, jahraus in unserem Weinregal
zu finden ist, sind ein paar Flaschen Rosé-Champagner, denn der
mundet uns nicht nur zur Sommerszeit. Lediglich drei bis sechs Prozent
aller Champagner sind rosafarben. Sie sind rar und leider auch teurer
als die weissen Schaumweine und die Nachfrage übersteigt immer
das Angebot. Für die Hersteller ist es nicht einfach, die stets schwankenden
Bedürfnisse des Marktes abzuschätzen, da dieses
Luxusgetränk Modetrends unterworfen ist. In den cüplistarken
neunziger Jahren erfreute sich der Rosé grosser Beliebtheit, dann war es
plötzlich wieder fast unseriös, den zartfarbigen Schäumer
zu bestellen. «Halt etwas für Frauen», stichelten gestandene
Weinkenner. Seit drei bis vier Jahren verknappt die starke Nachfrage aus
asiatischen Ländern und Russland das Angebot in Europa drastisch,
gleichzeitig ist die Beliebtheit bei europäischen Champagnerliebhabern
wieder angestiegen.
Wie beim Roséwein spuken in den Köpfen vieler Weinfreunde auch
in Bezug auf Rosé-Champagner allerlei Vorurteile und Falschinformationen
herum. Dabei gibt es kaum einen Schaumwein, der so sehr Synonym für
gute Laune, Eleganz, Festlichkeit, Romantik, Sinnlichkeit und Lebensfreude
ist. Rosé-Champagner passt wunderbar auf den festlich gedeckten Tisch
und beweist immer wieder aufs Neue, dass sich hinter seiner zarten Farbe
viel vinöse Kraft verbergen kann.
Herzlichst Ihre

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